Archiv - 1996/97

Bericht vom Sommagerlager der Pfader

von Roger Schneble / Profässer

Montag, 7. 7.: Die schweren Regenfälle, die unseren Lagerplatz beinahe in die Sümpfe von Florida verwandelt hatten (keine Angst: Alligatorenbabvs wurden keine gefunden), zwangen uns zur Anreise am Montag. Auf der Hinreise wurden die Lagerteilnehmer mit zwei Sachen bekannt gemacht, die sie durch das ganze Lager begleiten sollten: Gashom und Megaphon. Von Balsthal aus wurden die Fähnlis einzeln auf den Lagerplatz gefahren, wo ihr Kofferinhalt kontrolliert wurde, da auf Grund des Lagerthemas "Sträflinge" die Stückzahl begrenzt war. In den zugewiesenen Zellblocks bauten die Fähnlis nun ihre Zelte auf. Später am Nachmittag wurde die obligatorische Sauna erstellt, sowie das Aufenthaltszelt aus J&S-Blachen erstellt, die sich immer so gut bewährt hatten (warum taten sie es dann hier nicht?). Und nach dem ersten Essen in unserem neuen MONSUN-Küchenzelt wurde am Abend das Lager offiziell eröffnet mit den allgemeinen Bedingungen für die Sträflinge.

Dienstag, 8. 7.: Am Morgen bauten wir unser Lager fertig auf. Vom leicht erhöhten Lager aus bauten wir eine Treppe zur Passstrasse, um das Ausglitschen an dieser heiklen Stellen zu vermeiden. Es sollte sich aber trotz Treppe noch einige spektakuläre Stürze ereignen. Den Rest des Morgens verbrachten wir mit Bulldoggespielen, wobei der grosse Einsatz der beiden Venner der Fähnli Specht und Wal zu Zwischenfällen führte (der Eine schloss Bekanntschaft mit dem wohltuenden prickelnden Gefühl eines Brennesselfeldes, der Andere musste vom Mümliswiler Landarzt am Ellbogen genäht werden). Nachmittags fand die traditionelle Lagerolympiade statt, wo sich Pfader und Wölfe beim Säckhüpfen, Handschellenhindernislauf, Blachenzusammenlegen, beim Hindernisparcours im Bach usw. massen. Abends wurde in Pfaditechnik unterrichtet und das erlernte bei einem gespielten Notfall getestet.

Mittwoch, 9. 7. / Donnertag, 10. 7.: An diesen beiden Tagen gingen die Fähnlis auf ihre Fähnlitouren, bei denen sogar einiges gewandert wurde. Wal und Specht entschieden sich in der Wahl ihres Blachenzelttyps für den Gotthardschlauch, Kolibri bevorzugte den Berliner, der aber in der Nacht ein jähes Ende nahm (Sämi...). Anderntags wanderten die Gruppen zurück zum Lagerplatz, immer eine drohende Gewitterfront im Rücken, was die Pfader zusätzlich stresste Die Leiter versuchten indes, den Bach zu stauen, mehr Worte möchte ich darüber nicht verlieren.

Freitag ,11. 7.: Zum ersten und lange nicht letzten Mal besuchten wir heute das Mümliswiler Hallenbad (der Bademeisterin erscheinen wir heute noch in ihren Alpträumen) Besonders beliebt bei den Pfadern war das lustige "Schwimmattenherumwerfen", wobei einige Exemplare bedenklich an die Scheibe klatschten. Bei der Rückkehr tobte ein rassiges Gewitter über dem Grossraum Ramiswil, und ein erstes Mal standen unsere Tische im Wasser. Am Abend wurde das Geländespiel gestartet, wobei im ersten Teil z.B. jedes Fähnli einen Leiter ca. 1 km weit transportieren musste, wobei die komischsten "Rettungsgriffe" zu sehen waren. Dann wurde das Spiel unterbrochen, bis die Pfader um 2.30 Uhr am folgenden

Samstag, 12. 7.: aus den Federn geholt wurden. Nun stand ein grandioses "Räuber- und Poli- Spiel auf dem Programm. Zwei Fähnlis waren jeweils die Räuber und eines die Poli und anhand des Musikstils, der jeweils abgespielt wurde (die nachtaktive Ramiswiler Tierwelt steht seitem unter Schock), wusste man genau, welche Rolle man gerade spielte. Natürlich fand das ganze bei völliger Dunkelheit statt, was dem Spiel einen zusätzlichen Reiz gab. Nach einem nicht gerade üppigen Frühstück am Feuer ging das Spiel weiter. Schliesslich musste das grosse Rätsel noch gelöst werden. Nachdem gegen 10 Uhr das Spiel aufgelöst war, musste sich das ganze Lager von den nächtlichen Strapazen zunächst einmal erholen und als am Nachmittag die individuellen Energiereserven wieder aufgeladen waren, verbrachten wir den Nachmittag mit einem guten alten Original - Pfadisport dem sogenannten Chnäble. Am Abend wurden die Pfader früh in den Schlafsack geschickt, da alle so müde waren...Tja, und dann hiess es pünktlich in der Nacht für sechs Jungpfader "Aufstehen, Taufe!"

Sonntag 13. 7.: In einem Waldstückk ganz in der Nähe des Lagerplatzes hatten die Leiter ejnen Taufparcours abgesteckt. Die Täufinge wurden nun nacheinander einem Draht nachgeschickt den wir dank eines "Viehüters" sporadisch ein bisschen unter Strom setzten. Unterwegs erlebten sie natürlich allerhand gfürchiges und abenteuerliches (nicht nur sie allerdings denn auch Schwafli hatte seinen Adrenalinstoss bei einer Begegnung der dritten Art, mit einem Fuchs). Am Feuer wurden sie dann feierlich auf ihre Pfadinamen getauft, die da wären: Michi Beck Di-Tschey; Noah: Intro; Urban: Casanova; Raphael: Scotch; Remo: Tornado; Stefan: Trabi. Tja, und dann war natürlich auch noch Besuchstag an diesem Tag. Traditionellerweise legten die neuen Pfader vor den Eltern ihr Pfadiversprechen ab und fähnliweise wurden die Angehörigen der Pfader mit dem Pfadigesetz vertraut gemacht. Als die Eltern sich wieder verabschiedet hatten, stiegen am Abend in einer spontanen Nachtwanderung fünf Wagemutige (Kurt, Philipp, Lars, Ueli und Roger...ööh) also mit anderen Worten Ich) querfeldein auf eine Grat, das uns nicht nur ein wunderschönes Panorama über den ganzen Kanton Solothurn und ein stimmungsvolles Abendrot brachte, sondern auch einen Blick aus einigen hundert Metern auf unseren Lagerplatz. Beim Abstieg im Dunkeln hatten wir jedoch permanent das unterschwellige Gefühl dass irgend etwas uns beobachtet...

Montag 14. 7.: Als wir an diesem Morgen friedlich beim Zmorge sassen, brach plötzlich ein Rjesengewitter über unseren Lagerplatz herein. Als es sich verzogen hatte und unser Platz wieder einmal zur Sumpflandschaft mutiert war, brachen die Fähnlis auf ihre zweite Fähnlitour auf, da die zweitägige Wanderung abgesagt werden musste. Specht übernachtete in Langenbruck bei einer gastfreundlichen Bauernfamilie mit ihren hyperaktiven Kindern. Wal und Kolibri zog es nach Balsthal, wo sie lange Zeit vergeblich nach einer Unterkunft suchten und schliesslich in einem Judocenter nächtigen durften. Specht war indes von Nössu ebenfals nach Balsthal chauffiert worden, so dass der Abend gemeinsam verbracht wurde.

Dienstag, 15. 7.: Nachdem in den jeweiligen Nachtquartieren mehr oder weniger ausgeschlafen wurde, machten sich die Fähnlis auf den Weg zum Treffpunkt beim Hallenbad Mümliswil, wo von den Leitern bereits ein "Buffet' vorbereitet worden war. Danach vergnügten wir uns einmal mehr im Wasser. Zurück auf unserem geliebten Lagerplatz bereiteten wir das grosse "Wetten dass..." vom Abend vor. Bei diesem Anlass machte das Fähnli Specht Bekanntschaft mit dem kalten Bachwasser, die Kolibristen entdeckten die Grenzen ihrer (bescheidenen) Morsekenntnisse und Wal beglückte uns mit einer Second-hand-Version von "Bruder Jakob".

Mittwoch, 16. 7.: An diesem Morgen stand die Gruppenolympiade auf dem Programm, wobei das ganze dadurch erschwert wurde, dass man zu zweit oder zu dritt an den Füssen aneinander gebunden war, was so einfache Disziplinen wie Fussball, Schnelllauf oder Volleyball doch massiv komplizierter machte. Obwohl es ganz schön frustete, wenn der Pfader, mit dem man zusammengebunden war, nicht genau das machte, was man wollte, vertrugen sich am Schluss doch alle wieder. Da die Wetteraussichten für den Rest der Woche sehr schlecht waren und wir unser Material möglichst trocken nach Luzern bringen wollten, begannen wir bereits an diesem Nachmittag mit dem Abbau. So mussten die Fähnlizelte weichen, und unser neues Küchenzelt mit seinem stolzen Gewicht von 180 kg wurde ebenfalls verstaut. Einige bauten sich einen Berliner und übernachteten dort.

Donnerstag, 17. 7.: Tatsächlich wurde das Wetter schlechter, und wir waren froh, dass wir nur noch wenig zu tun hatten. An diesem Morgen traf dar Vortrupp der Aargauer Jungwacht ein, die nach uns den Platz benutzten und die bereits ihre ZeIte aufzustellen begannen. Beim Anblick ihres "Esszeltes" lief es uns kalt den Rücken runter, und wir dankten den höheren Mächten für unser geliebtes MONSUN. Am Abend schliesslich wollten wir unser traditionelles Schlussfeuer aufrichten, doch da standen die Autos dieser Jungwacht im Weg. Wir lösten das Problem auf unsere Weise (öööh...) und genossen schliesslich den gleissenden Anblick.

Freitag, 18. 7.: Am Morgen wurde ein letztes Mal unser Platz gereinigt und kontrolliert, sowie das Material zum Verladen bereitgestellt. Dann nahmen wir unter Tränen Abschied von ihm und statteten am Nachmittag dem Hallenbad Mümliswil einen Besuch ab. Für die Nacht war ein Nachtquartier in Balsthal vorgesehen, und zwar direkt am Bahnhof. Dort richteten wir uns ein und konnten fortan die Züge von und nach Oensingen beobachten (wahnsinnig interessant...). So assen wir in dieser Bahnhofsatmosphäre, die uns den Duft der grossen, weiten Weit vermittelte unsere Pouletschenkeli. Dank unseren Dessert Aktien, die uns schon die ganzen zwei Wochen leckere Desserts beschert hatten konnten wir in einem Restaurant zum Lagerabschluss einen Coupe Dänemark essen gehen (der Wirt bewies grossen Humor und blieb sehr gefasst, als Bernhard M. mit seinem Coupe das Hemd des Wirtes verzierte...).

Samstag, 19. 7.: Und schon wieder war dieses Lager fast zu Ende. Früh am Morgen fuhren die Ältesten zurück auf den Lagerplatz wo sie das Material in den Lastwagen verluden. Zurück am Bahnhof wurde gefrühstückt und man machte sich bereit für die Heimreise. Einige Degradierungen standen auf dem Programm. und diese erfreuten die zuschauenden Pfader natürlich ungemein. Ansonsten verlief die Zugfahrt ruhig - keine Wasserpistolen, kein Gashorn. .. richtig gespenstisch. Nach der Einfahrt in den Luzerner Bahnhof und ersten Gefühlsausbrüchen ging es zur letzten Handlung des Lagers zum Wagenbachbrunnen. Dort wurde die Beförderungen vollzogen: Calmo und Snoopy versuchen sich als Stammführer, Profässer kümmert sich um das Wohlergehen unserer Wölfe, und mit Prozässer, Strick und Schmatzi (den Chnopflesern besser bekannt unter dem Namen Lars) übemehmen drei neue Venner das Ruder der Fähnlis. Aber auch ein schwerer Verlust ist zu bedauern: Gigu - unser Kurt - verlässt uns. Für seinen jahrelangen Einsatz in unserer Abteilung möchten wir Töneler ihm ganz herzlich danken und dann gings ab ins Wasser... .

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